Parolen kleben auf Stolpersteinen in Michelstadt

OE 23. April 2013

MICHELSTADT/BAD KÖNIG.

Gesellschaft - Bündnis Odenwald gegen Rechts informiert auch die Polizei

Von einer Schändung der sogenannten Stolpersteine, die an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern, spricht das Bündnis „Odenwald gegen Rechts“: In den vergangenen Wochen haben aufmerksame Bürger auf diesen Gedenksteinen für die Opfer des Naziterrors in  Michelstadt Aufkleber mit teilweise antisemitischen Hetzparolen entdeckt. Die Verunglimpfungen seien von engagierten Bürgern sofort entfernt worden, teilte das Bündnis in einer Pressenotiz mit.
Die Vorfälle wurden auch der Polizei gemeldet. „Einige dieser Aufkleber liegen uns vor. Die Verursacher sind bisher nicht bekannt, die Ermittlungen laufen“, hieß es auf ECHO-Anfrage bei der Kripo in Erbach. Rainer Müller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt, stuft die Texte auf den Aufklebern als „Meinungsbekundungen“ ein, „die wohl dem rechten Spektrum zuzuordnen sind“. Als Straftat seien die Inhalte nicht zu werten, sondern als – wie in diesen Fällen öfter praktiziert – „grenzwertige Äußerungen“.
Wie das Bündnis berichtete, wurden am 19. und 20. April zudem 50 weitere Nazi-Aufkleber in Michelstadt gefunden. In Bad König sei die Geschäftsstelle der Partei „Die Linke“ mit NPD-Aufklebern verunziert worden. „Hakenkreuz-Schmierereien gab es in der Kurstadt auch schon, sowas kommt dort öfter vor“, erklärt eine Sprecherin des Bündnisses „Odenwald gegen rechts“.
„Wegschauen und sich nicht einmischen schadet auf Dauer uns allen. Glücklicherweise gibt es engagierte Bürger, die diese hässlichen Verunglimpfungen sofort entfernen“, heißt es in der Pressenotiz der Gruppierung. Mit Abscheu reagiere auch der DGB im Odenwaldkreis auf die rassistischen und menschenverachtenden Aktionen, die stets auch als Angriff auf unsere Demokratie zu verstehen seien. Im Sinne von „Nie wieder Faschismus“ sei Wachsamkeit unerlässlich, damit Aktionen wie diese benannt und geächtet werden könnten