Nationalsozialismus - Ein Apell gegen das Vergessen

Eine junge Autorin der neuen Schülerzeitung der Carl-Weyprecht-Schule in Bad König nimmt sich ein schwieriges Thema vor

Ein Kind überlebt den Nazi-Terror

 Hennriette Kretz ist Jüdin. Sie hat als Kind den zweiten Weltkrieg und den Mord an ihren Eltern und vielen anderen Juden miterlebt.

 Am 14.November 2013 besuchte Hennriette Kretz die neunten Klassen der CWS. Im Rahmen des Unterrichts „Kindheit unterm Hakenkreuz“ in den Fächern Gesellschaftslehre und Deutsch erzählte sie, unter welchen Umständen sie den zweiten Weltkrieg überlebt hat. 

Henriette Kretz hat viel Schlimmes erlebt. Doch es gab auch gute Momente in ihrem Leben. Sie lebte während des Krieges in Polen. Ihr Vater war Arzt und hatte vor dem Einmarsch der Deutschen ein eigenes Krankenhaus. Mit dem Einrücken der Deutschen musste er das Krankenhaus aufgeben und mit Henriette und ihrer Mutter in ein Judenviertel ziehen. Henriette wurde von den anderen Kindern ausgeschlossen, denn sie war Jüdin und die anderen durften nicht mit ihr spielen.

Eines Tages wurden sie und ihre Eltern gefangen genommen. Ihre Rettung war ein Soldat aus Ungarn, der Henriettes Vater dankbar war, dass er so viele Landsleute des Soldaten geheilt hatte. Henriette wurde von ihren Eltern zu einer befreundeten Polin gebracht. Dort versteckte sie sich hinter einem Schrank. Doch sie hatte dort wenigstens einen Spielkameraden, den Sohn der Frau. An einem schönen Tage, als die Frau mal nicht da war, kamen deutsche Soldaten. Sie fanden Henriette nach einiger Zeit hinter dem Schrank und brachten sie in ein Konzentrationslager. Dort erlebte sie eine Geburt. Sie gab dem Baby, dessen Mutter bei der Geburt starb, ihre Jacke. Kurz darauf wurde sie in ein Judengetto gebracht. Dort traf sie auch ihre Eltern wieder.

Ein befreundeter Arzt konnte die Familie befreien und bei einem Feuerwehrmann verstecken. Im Winter wohnten sie im Kohlekeller. Ein paar Tage nach dem Umzug auf den Dachboden wurden sie erneut von deutschen Soldaten entdeckt. Jemand hatte sie verraten. Sie wurden auf die Straße geführt. Dort wehrte sich Henriettes Vater und verlangte von seiner Tochter, dass sie wegrennt. Henriette hörte auf ihren Vater. Kurz darauf hörte sie Schüsse. Das Mädchen wusste sofort, dass sie keine Eltern mehr hatte.

 Sie flüchtete quer durch die Stadt in ein Waisenhaus, dessen Leiterin eine Freundin ihres Vaters war. Das war sehr gefährlich, denn Soldaten hätten sie sehen können. Henriette hatte Glück und wurde von niemandem gesehen. Sie erzählte der Leiterin, was passiert war. Die Leiterin nahm sie im Waisenhaus auf, in dem noch mehr jüdische Kinder versteckt wurden. Kurz darauf war der Krieg vorbei.

Als vor ein paar Jahren ein Film über das Leben von Henriette Kretz gedreht wurde und sie dafür in das Konzentrationslager zurückkehrte, erlebte sie ein Wunder. Sie traf im Zug einen Mann, der auch dorthin unterwegs war. Die Beiden unterhielten sich und erzählten einander den Grund der Reise in das Konzentrationslager. Der Mann erzählte Henriette, dass er dort geboren wurde. Seine Mutter starb bei der Geburt. Er wusste erst seit kurzem, dass er Jude ist und was mit ihm geschehen war. Er erzählte ihr noch mehr, auch dass er damals eine Jacke von einem Mädchen bekam. Er war das Baby dem Henriette damals im Konzentrationslager geholfen hatte. Der Junge wurde nach Ende des Krieges in dasselbe Waisenhaus gebracht, in dem auch Henriette Kretz wohnte. Aus der Großfamilie von Henriette Kretz haben nur sie und ihr Onkel den Nazi-Terror überlebt.

 In den letzten Monaten veröffentlichte Henriette Kretz ein Buch. Es heißt „Willst du meine Mutter sein?“ und handelt von ihrem Leben und den Erfahrungen im Krieg.

 Viele Menschen würden diese Erlebnisse sofort vergessen wollen. Doch Henriette Kretz wollte nicht vergessen, was passiert war, sondern es mit der ganzen Welt teilen. Das finde ich sehr mutig. Denn wenn man solche Erlebnisse immer und immer wieder erzählt, stellt man sich permanent den schrecklichsten Erfahrungen seines Lebens und erträgt sie jedes Mal erneut in seinen Erinnerungen.