Es gibt ihn, den täglichen Rassismus


Breuberg 14.11.2015

Flagge zeigen gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist das Ziel einer Podiumsdiskussion mit Ausstellung in der Georg-Ackermann-Schule in Rai-Breitenbach.
Foto: Gabriele Lermann

Flagge zeigen gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist das Ziel einer Podiumsdiskussion mit Ausstellung in der Georg-Ackermann-Schule in Rai-Breitenbach.	<br /> Foto: Gabriele Lermann

ODENWALD GEGEN RECHTS Podiumsdiskussion zur Ausstellungseröffnung in Rai-Breitenbacher Ackermann-Schule

RAI-BREITENBACH - (glb). Von fremdenfeindlichen Tendenzen bis zum Rechtsextremismus: Damit wird sich derzeit in der Georg-Ackermann-Schule in Rai-Breitenbach auseinandergesetzt.

Organisiert vom Bündnis „Odenwald gegen rechts“ wird noch bis Freitag, 20. November, eine Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung, ergänzt mit einer Schüler-Ausstellung, zum Thema in der Aula gezeigt. Zum Auftakt der Schau gab es am Montagabend eine Podiumsdiskussion und Gelegenheit für Schüler und Lehrer, an der politischen Diskussion um die Gefahren des Rechtsextremismus teil zu haben.

„Als wir uns für die Ausstellung mit langem Vorlauf entschieden haben, war uns die aktuelle Brisanz, auf die das Thema heute trifft, noch nicht bewusst“, waren sich Schulleiterin Natalie Bristoyannis und der maßgebliche Organisator, Klaus-Peter Rösler (Bündnis Odenwald gegen Rechts) einig. Für die von ihm moderierte Podiumsdiskussion hatte Rösler den Landtagsabgeordneten Rüdiger Holschuh (SPD), den Ersten Kreisbeigeordneten und Schuldezernenten Oliver Grobeis (SPD) sowie Sascha Schmidt, Organisationssekretär des DGB Hessen-Thüringen, gewonnen.

Holschuh kritisierte die Landesregierung, Bildung vernachlässigt zu haben. Seiner Meinung nach sei in der wachsenden rechten Szene Deutschlands Bildungsmangel festzustellen. Dem widersprach Schmidt, rechtes Gedankengut sei in allen Bildungs- und Einkommensschichten zu finden. Eine große Gefahr, erläuterte Schmidt, gehe von der Verharmlosung rechter Straftaten und Propaganda seitens der Strafverfolgung aus. Er verwies dabei auf die Identitäre Bewegung in Südhessen, die immer wieder versuche, auch im Odenwaldkreis Fuß zu fassen. Auch Pegida müsse klar rassistisch benannt und beurteilt werden.

Neben den offensichtlichen rassistischen Tendenzen verwies der Gewerkschafter auf den latenten Rassismus, der im Alltag suggeriert werde. Begriffe wie „Leitkultur“ oder „Identität“ stufte er als problematisch ein. „Es gibt keine Identität, mit der sich 80 Millionen Menschen in Deutschland beschreiben lassen“, so Schmidt.

Zum mutmaßlichen NSU-Mord im hessischen Kassel gebe es im Landtag einen Untersuchungsausschuss, getragen von der SPD und den Linken, so Holschuh. Er bedauerte aber zum einen, dass es nicht gelungen war, fraktionsübergreifend diesen Ausschuss zu realisieren, zum anderen kritisierte er die „ständige Behinderung seiner Arbeit“, der dieser Ausschuss ausgesetzt sei. Ebenso monierte der Landtagsabgeordnete, dass es viel zu lange gedauert habe, bis die rechte Organisation „Sturm 18“ verboten wurde. Er erinnerte an die Anfänge des Nationalsozialimus, als der Rechtsruck in der Bevölkerung ebenfalls strafrechtlich zu wenig verfolgt worden war.

Oliver Grobeis plädierte für mehr politische Bildung in den Schulen. In der Pegida-Bewegung vermutete er viele unaufgeklärte Mitläufer und einen großen Bedarf an Dialogen. Schmidt hingegen pochte darauf, die Menschen in Eigenverantwortung zu stellen. In Dresden beispielsweise habe es schon vor Jahren die größten Nazi-Aufmärsche in Europa gegeben, ohne dass die Stadt konsequent gehandelt habe. Demokratische Strukturen seien in der Wendezeit vernachlässigt worden. „Pegida-Mitläufer haben den Boden der Demokratie verlassen.“

Deutlich mehr Präventionsarbeit müsse bei der Jugend geleistet werden, war sich das Podium einig. Dafür müsse man aber auch ausreichend Geld in die Hand nehmen, unterstrich Rösler. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer auch im Bestätigen der sehr positiven Entwicklung auf der anderen Seite: Auch im Odenwaldkreis habe es solch eine enorme Ehrenamtsleistung wie jetzt bei der Flüchtlingsaufnahme kaum gegeben. Schmidt appellierte an die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen, sich in Gesprächen mit Familie, Freunden, Kollegen oder Nachbarn gegen fremdenfeindliche Tendenzen zu stellen.

Musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung vom Schulchor unter der Leitung von Björn Karg begleitet. Zum Abschluss der Ausstellung am Donnerstag, 19. November, tritt Irith Gabriely, die „Klezmer-Königin“, ab 18 Uhr in der Aula auf. Außerdem wird dann Klaus-Peter Rösler von seinen Besuchen in Auschwitz und Buchenwald berichten und aus den Erinnerungen des 87-jährigen Klaus Riester lesen. Ferner stellen Schüler ein Unterrichtsprojekt zur Familie Rothschild aus Neustadt vor, und der Sieger eines Klassenwettbewerbs zum Thema Rechtsextremismus soll prämiert werden. Die Ausstellung ist bis Freitag, 20. November, an Werktagen von 8 bis 15.30 Uhr öffentlich zugänglich. Um Anmeldung wird gebeten: 06165-3895630.