Bewegende Worte und Musikgenuss

Echo-online Breuberg 28.11.2015

 

 

Bewegte das Publikum mit virtuoser Klarinette: Irith Gabriely bei der Abschlussveranstaltung der Ausstellungswoche gegen Rechtsradikalismus in der Georg-Ackermann-Schule. 
Foto: Gabriele Lermann

ERINNERUNG Ausstellungswoche gegen Rechtsradikalismus in Rai-Breitenbach endet mit Auftritt von Irith Gabriely  

RAI-BREITENBACH - (glb). Gut eine Woche lang hatten Schüler wie interessierte Erwachsene Gelegenheit, die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Aula der Georg-Ackermann-Schule (GAS) zu besichtigen.

Bei der Auftaktveranstaltung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ in der Aula der Georg-Ackermann-Schule moderierte Klaus-Peter Rösler (Odenwald gegen Rechts) ein politisches Podium, bestehend aus Landtagsabgeordneten Rüdiger Holschuh (SPD), dem ersten Kreisbeigeordneten Oliver Grobeis (SPD) und Sascha Schmidt, Organisationssekretär des DGB Hessen-Thüringen. Einig waren sich die Referenten, dass deutlich mehr Geld und mehr Intension in die Bildungsarbeit zur Prävention von Rechtsradikalismus gesteckt werden müssten. Zudem sprachen sie sich für eine striktere strafrechtliche Konsequenz bei rechtsextremen Taten aus.

Tief berührte der Erfahrungsbericht von Klaus-Peter Rösler nach seinen Besuchen in den Konzentrationslagern Auschwitz, Auschwitz-Birkenau und Buchenwald. Unfassbar, fasste Rösler zusammen, wie „zuvor ganz normale Menschen zu solchen Grausamkeiten fähig waren. Von den damals rund 100 Millionen Deutschen müssen 20 bis 30 Millionen überzeugte, aktive Helfer gewesen sein“, so Rösler. Der Referent mahnte fremdenfeindliches Gedankengut und brennende Flüchtlingsunterkünfte an: Wären heute, 70 Jahre nach Kriegsende, wieder Deutsche bereit, solche Morde aus rassistischen Beweggründen zu begehen?

Neben seinen eigenen, sehr bedrückenden Erkenntnissen, die Rösler vorstellte, las er aus den Erinnerungen des anwesenden Grafikers Klaus Riester. Ein überzeugter Nazi inmitten seiner militärischen Karriere sei sein Vater gewesen, als ihm das Gesehene an Grausamkeit so zusetzte, dass er psychisch zusammenbrach und aus dem Dienst entlassen wurde.

Die traurigen Ausführungen Röslers wurden musikalisch hochkarätig von Klezmer-Königin Irith Gabriely an der Klarinette und Pianist Peter Przystaniak begleitet. Hervorragend führte das Duo in die Melancholie wie die fröhlichen Klänge der traditionellen jüdischen Musik ein.

Aktiv im Umfeld der Ausstellungswoche waren auch Schüler geworden, die Schülerprojekte stellte Schulpfarrer und Lehrer Arno Jekel vor. So hatte eine zehnte Klasse die Geschichte der einst in Neustadt ansässigen Familie Rothschild aufgearbeitet und hierzu eine Ausstellung zusammengestellt.

Die Arbeit der Klasse ist Begleitprogramm der derzeitigen Sonderausstellung „Legalisierter Raub“, die noch bis zum 28. Februar 2016 über die, teilweise durch Nazi-Gesetze legitimierten, Plünderungen bei jüdischen Bürgern, ihrer Geschäfte und Synagogen, im Michelstädter Odenwald- und Spielzeugmuseum informiert.

Zudem waren die Schulklassen aufgefordert, sich an einem schulinternen Wettbewerb gegen Rechtsextremismus zu beteiligen. Bei der Abschlussveranstaltung zur Ausstellung erklärte Schulleiterin Natalie Bristoyannis den Flyer von Jugendlichen an Jugendliche einer achten Gymnasialklasse als beste Arbeit. Der Flyer dient der Aufklärung wie der Prävention vor rechtem Gedankengut. Erhältlich ist der Flyer auch über die Schulgemeinde hinaus, Interessenten wenden sich an das Sekretariat, Telefon 06165-3895630 oder E-Mail: sekretariat@georg-ackermann-schule.de.