Todesopfer rechtsradikaler Gewalt im Fokus

Höchst im Odenwald 19.03.2018                            Von Gabriele Lermann 

VERNISSAGE Bündnis „Odenwald gegen Rechts“ präsentiert im Höchster Bürgerhaus eine eindrucksvolle Schau

HÖCHST - Eine Ausstellung, die nicht nur Information, sondern vor allem eine Mahnung ist, zeigt das Bündnis „Odenwald gegen Rechts – bunt statt braun“ derzeit im Höchster Bürgerhaus. Unter dem Titel „Todesopfer menschenfeindlicher Gewalt in Deutschland seit 1990“ wird an Menschen erinnert, die aus rassistischen und faschistischen Gründen ermordet wurden. Auf ganze 189 Todesopfer aus den Jahren 1990 bis 2014 weist die Ausstellung, die vom Bündnis selbst erarbeitet wurde, hin.

Auch NSU-Morde werden thematisiert.

KONTAKT: Zu sehen ist die Ausstellung „Todesopfer menschenfeindlicher Gewalt in Deutschland seit 1990“ noch bis Freitag, 27. April, zu den üblichen Öffnungszeiten des Höchster Bürgerhauses: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, zudem dienstags von 14 bis 17 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr.


Schulen oder Organisationen, die Interesse an der Ausstellung haben, können (bei eigenem Plakatdruck) die Vorlagen digital zur Verfügung gestellt bekommen. Kontakt im Internet: www.odenwald-gegen-rechts.de, Facebook: odenwaldgegenrechts, und per E-Mail: info@odenwald-gegen-rechts.de. (glb)

„Wir wollen damit an die vergessenen Opfer erinnern“, betonte für das Bündnis Harald Staier, Vorsitzender des DGB Odenwaldkreis, in seiner Eröffnungsrede. Viele erinnerten sich noch an die Opfer der sogenannten „NSU-Morde“, die ebenso Bestandteil der Ausstellung seien, wenige aber beispielsweise an den 17-jährigen Nihad Yusufoglu. Der junge Kurde wurde 1990 in Hachenburg (Rheinland-Pfalz) von einem gleichaltrigen Skinhead, Anhänger der rechtsradikalen Gruppe „Taunusfront“, erstochen.

„Die Ausstellung soll auf das Verdrängen rassistischer Gewalt in unserer Gesellschaft aufmerksam machen“, so Staier. Entscheidend für den Rechtsradikalismus sei, machte Staier in seiner Rede deutlich, dass nicht nur ein Feindbild benannt wird, sondern diesem Feindbild auch jegliche Menschenrechte und die Menschenwürde abgesprochen werde. Ob Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft oder Religionszugehörigkeit, mit anderem gesellschaftlichen Status wie beispielsweise Menschen ohne Wohnung oder anderer sexueller Orientierung.

Auch in die Richtung Politik blieb der Bündnissprecher deutlich: „Seit Pegida und AfD haben rechtsradikale Verbrechen wie ein öffentliches Bekenntnis zum Rassismus in der Gesellschaft stark zugenommen. Deshalb ist die AfD nicht wie jede andere politische Partei zu betrachten und in politischen Gremien zu behandeln. Jeder ist heute gefragt, Verantwortung zu übernehmen und Position zu beziehen.“ Sein Dank galt Bürgermeister Horst Bitsch als Gastgeber der Ausstellung.

Gerne habe man das Bürgerhaus dieser aussagekräftigen Ausstellung anstelle der sonst hier präsentierten Kunst zur Verfügung gestellt, erklärte Rathauschef. „Die wichtige Botschaft macht Defizite in unserer Gesellschaft deutlich“, betonte Bitsch. Unverständlich sei es ihm, wie wenig Konsequenzen teilweise aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte gezogen wurden.

Sein Appell an die Jugend: Bildungsangebote in den Medien, insbesondere zur nationalen Geschichte, wahrzunehmen. Nicht teilen konnte der Bürgermeister die Botschaft Staiers hinsichtlich der AfD: „Ich bin zwar kein Fan der AfD, aber sie ist eine politische Partei und hat ihre Ursachen. Alle Parteien haben Fehler gemacht, und heute müsse man sich dafür eben mit Extremisten in den politischen Reihen auseinandersetzten.“

Derzeit, berichtete die Vorsitzende des Bündnisses Odenwald gegen Rechts Irmhild Rittmeyer, arbeite man daran, die Ausstellung um die Jahre bis einschließlich 2017 zu ergänzen. Gezeigt werden nicht nur 189 Namen, Orte und Daten, auch Statistiken wie Strafverfolgung und andere Rahmendaten.