Am 10. Juni 2025 fand in der Jugendherberge im Kloster Höchst das Zeitzeugengespräch mit Jozefa Posch-Kotyrba statt.
Die Veranstaltung begann kurz nach 19:00 Uhr. Die Eröffnungsrede hielt Harald Staier. Er begrüßte zunächst Frau Posch-Kotyrba und die weiteren anwesende Zeitzeugen, danach die übrigen Gäste.

In seiner Rede ging er auf die Opfer von Krieg und Verfolgung ein und mahnte uns jeglicher Form von Ausgrenzung und Diskriminierung aus sozialen, religiösen, kulturellen oder sexuellen Gründen, sowie Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entschieden entgegen zu treten.
Deshalb ist es so wichtig diese Zeitzeugenveranstaltungen auch mit den Schulen zu veranstalten.
(der vollständige Text der Rede ist unter dem Bericht beigefügt.)
Danach sprach Stefanie Roth einleitende Worte zum Zeitzeugengespräch.

Sie wies auf die Arbeit des Maximilian-Kolbe-Werks hin, das Überlebende nationalsozialistischer Konzentrationslager und Ghettos unterstützt.Ohne die Hilfe des Maximilian-Kolbe-Werks wären diese Zeitzeugengespräche nicht möglich.
Sie stellt auch kurz die drei weiteren Zeitzeugen vor, die sich diese Woche im Kloster Höchst aufhalten und täglich Gespräche mit Schülern des Odenwaldkreises führen.
Danach berichtet Jozefa Posch-Kotyrba über ihr Leben. Die Zeit vor der Verhaftung durch die Gestapo, das Leben in den verschiedenen nationalsozialistischen Lagern und ihr Leben danach.

Eine kurze Zusammenfassung:
Józefa Posch-Kotyrba wurde am 17. Februar 1938 in Jaworzno geboren. Ihre gesamte Familie wurde 1943 von der Gestapo verhaftet. Die Kinder wurden von der Mutter getrennt und in verschiedenen Lagern interniert. Die Mutter kam im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben, der Vater wurde als Untergrundkämpfer erschossen.
Bei Ausbruch des Krieges war Józefa Posch-Kotyrba fünf Jahre alt. Ihr Bruder Mieczysław war acht Jahre alt, die Schwester Gertruda zwei Jahre. Ihr Vater Józef arbeitete in der Kohlengrube „Kościuszko“ in Jaworzno. Ihre Mutter Helena (geb. Wrona) war Schneiderin.
In der Nacht vom 11. zum 12. August 1943 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern durch die Gestapo verhaftet wegen der Tätigkeit des Vaters im Untergrund. Der Vater war nicht zu Hause und konnte vorerst nicht verhaftet werden.
Die ersten Stationen der Internierung waren die Gefängnisse in Katowice und Mysłowice. Von dort kamen die Kinder in die sogenannten Polenlager Pogrzebień, Bogumin, Kietrz und schließlich in Internierungs- und Arbeitslager Lebrechtsdorf-Potulitz, wo sie bis zur Befreiung am 21. Januar 1945 inhaftiert waren. Ihre Mutter wurde nach Auschwitz deportiert, wo sie verstarb. Ihr Vater wurde gemeinsam mit anderen Untergrundkämpfern von der Gestapo in Mysłowice erschossen.
Józefa war zu klein für eine Arbeit außerhalb des Lagers. Sie musste mit anderen kleinen Kindern die Baracken putzen und das Lagergelände in Ordnung halten.
Alle Geschwister haben überlebt, weil sie zusammen waren und sich gegenseitig unterstützen konnten. Nach der Befreiung fuhren sie mit dem zweiten Transport nach Będzin. Dort kamen sie in einem Krankenhaus unter. Über die Zeitung hatte ihre Großmutter erfahren, wo ihre Enkelkinder sind. Sie organisierte ihre Abholung und nahm die Kinder zu sich.
Nach dem Krieg besuchte Józefa die Grundschule. Dann kam sie in ein staatliches Internat für jugendliche Waisen in Krzeszowice bei Krakau, wo sie ihr Abitur machte. Anschließend studierte sie an der Pädagogischen Hochschule in Krakau. Nach dem Studium arbeitete sie 30 Jahre als Mathematiklehrerin in ihrer Heimatstadt Jaworzno. Während des Studiums lernte sie ihren ersten Mann kennen. Mit ihm bekam sie zwei Söhne. Sie hat zwei Enkelkinder. Nach dem Tod ihres Mannes 2002 heiratete sie einen Schicksalsgefährten, den Überlebenden Jan Kotyrba. Er starb 2005.
Sie interessiert sich für Sport, Film und Gartenarbeit. Ehrenamtlich engagiert sie sich seit vielen Jahren im Verein für Ehemalige Häftlinge. Von Zeit zu Zeit spricht als Zeitzeugin in polnischen Schulen.
Zum Schluss ermahnte sie das Publikum, alles dafür zu tun, dass es nie wieder zu einem Krieg kommt.
Das Publikum bedankete sich mit stehenden Ovationen bei Jozefa Posch-Kotyrba.

Vor und nach dem Zeitzeugengespräch konnten sich die Anwesenden am Infostadt von Odenwald gegen Rechts informieren.

Das Zeitzeugengespräch wurde von folgenden Organisationen veranstaltet:

Der vollständige Text der Eröffnungsrede von Harald Staier:

